Dario Amodei steuert Anthropic auf ein potenzielles IPO im Wert von $2 Billionen zu, eine Bewertung, die die meisten Technologie-Listings bei Weitem übertrifft und Tausende seiner über 2 500 Mitarbeitenden zu Millionären machen könnte.
Warum das IPO wichtig ist
Die Größe des Angebots würde Anthropic an die Seite der wertvollsten Public-Benefit-Unternehmen stellen und könnte einen neuen Maßstab für die Künstliche-Intelligenz-Branche setzen. Als Public-Benefit-Corporation ist Anthropic gesetzlich verpflichtet, die breiteren Auswirkungen seiner Arbeit zu berücksichtigen, nicht nur den Gewinn der Aktionäre.
Vermögen der Mitarbeitenden und das Kultur-Interview
Mitten in der Aufregung hat das Unternehmen begonnen, Bewerber*innen in Kultur-Interviews eine klare Frage zu stellen: Wie würden sie sich fühlen, wenn Anthropic seine KI-Ambitionen aus Sicherheitsgründen aufgeben und die Aktie auf null fallen würde? Ein*e Kandidat*in, der*die auf der anonymen Plattform Blind sprach, antwortete:
"I was honest and said no, I would not be happy if the stock went to 0. I would want to align doing the most good and remaining ethical while building a sustaining business."
Amodei, dessen persönliches Vermögen auf etwa $15,5 Milliarden geschätzt wird, hat gewarnt, dass massive finanzielle Anreize die missionsorientierte Kultur des Unternehmens untergraben könnten.
Kampf um Talente
Um Spitzenforscher*innen und -ingenieur*innen im KI-Bereich zu gewinnen, bietet Anthropic Grundgehälter von $320.000 bis $405.000 für Positionen im Software-Engineering, deutlich über dem Durchschnitt der Tech-Branche. Das Unternehmen listet derzeit über 500 offene Stellen, darunter rund 90 im Vertrieb, mehr als 60 in KI-Forschung und -Engineering sowie 47 im Sicherheitsbereich.
Einige Bewerber*innen zahlen sogar mehrere tausend Dollar für privates Interview-Coaching, ein Vorgehen, das laut der Gründerin von Interview-Prep, Aline Lerner, finanziell sinnvoll ist, wenn ein höheres Gehalt auf dem Spiel steht.
Breitere Vermögenstrends im KI-Bereich
Die Aussicht auf schnellen Vermögensaufbau ist nicht nur bei Anthropic zu beobachten. Nach dem $1,77-Billionen-IPO von SpaceX hatten etwa 400 aktuelle und ehemalige Mitarbeitende Anteile im Wert von jeweils über $100 Millionen. Mit steigenden KI-Bewertungen werden ähnliche Geldgewinne im gesamten Sektor erwartet.
Amodeis Warnung vor Konzentration
Amodei hat davor gewarnt, dass eine solche Vermögenskonzentration die Gesellschaft „zerbrechen" könnte. Anfang des Jahres haben er und sechs Mitgründer*innen, darunter seine Schwester Daniela Amodei, versprochen, 80 Prozent ihres Vermögens zu spenden. In einem öffentlichen Schreiben schrieb er:
"Wealthy individuals have an obligation to help solve this problem. It is sad to me that many wealthy individuals, especially in the tech industry, have recently adopted a cynical and nihilistic attitude that philanthropy is inevitably fraudulent or useless."
Die Aussage unterstreicht die wachsende Debatte über die soziale Verantwortung von KI-Gründer*innen und die Notwendigkeit einer gerechten Verteilung der Gewinne des Sektors.
Wie geht es weiter?
Die IPO-Einreichung von Anthropic wird voraussichtlich noch in diesem Jahr erfolgen. Sollte das Angebot zustande kommen, muss das Unternehmen die Verlockung massiver Mitarbeitenden-Beteiligungen mit seinem Public-Benefit-Mandat in Einklang bringen und sicherstellen, dass das Streben nach Gewinn nicht seine Sicherheits-First-Philosophie überschattet. Interessengruppen werden genau beobachten, ob das Unternehmen Talente, die sich langfristig seiner Mission verpflichtet fühlen, halten kann, während es den Druck eines Billionen-Dollar-Marktes bewältigt.

