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Europäische Aktien steigen, da Gewinnwachstum und KI‑Optimismus Investoren zurückholen

Die europäischen Aktienmärkte erleben eine breit angelegte Rallye, angetrieben vom stärksten Gewinnwachstum seit vier Jahren, einer verbesserten wirtschaftlichen Dynamik und einer Verschiebung in der Positionierung von Fondsmanagern. Der Stoxx 600 ist in diesem Jahr um 11 % gestiegen, während die wichtigsten Indizes Allzeithochs erreichen.

Handelsbildschirme zeigen Diagramme europäischer Aktienindizes mit grünen Aufwärtspfeilen

Die europäischen Aktienmärkte laufen auf Hochtouren und ziehen Vermögensverwalter an, die glauben, dass diese Rallye mehr Durchhaltevermögen hat als ein kurzfristiger Handel. Der Stoxx Europe 600 Index legte letzte Woche an jedem Tag zu und verzeichnete damit die längste Gewinnserie seit Juni, während regionale Benchmarks wie der deutsche DAX, der französische CAC 40 und der italienische FTSE MIB alle Allzeithochs erreichten.

Fundamentaldaten drehen zu Gunsten Europas

Jahrelang war die Hauptattraktion europäischer Aktien ihr erheblicher Abschlag gegenüber US‑Aktien. Dieses Bewertungsargument wird nun durch verbesserte Fundamentaldaten untermauert. Europe Inc. hat das beste Gewinnwachstum seit vier Jahren mit 17 % gemeldet, zusammen mit dem stärksten wirtschaftlichen Aufschwung seit März 2023.

„Es gibt eindeutig Begeisterung für Europa. Die Widerstandsfähigkeit der Region hat den Markt überrascht und die Nachfrage bleibt deutlich stärker als erwartet."

Diese Einschätzung stammt von Helen Jewell, International Chief Investment Officer für fundamentale Aktien bei BlackRock Inc. Ihre Ansicht wird von Mark Haefele, Chief Investment Officer bei UBS Global Wealth Management, bestätigt, der sagte: „Da das Risiko‑Gleichgewicht zugunsten von Gewinnen ausfällt, die die Erwartungen für dieses Quartal übertreffen, glauben wir, dass jetzt der Zeitpunkt ist, europäische Aktien zu überprüfen und möglicherweise aufzubauen."

Fondsmanager wechseln von Untergewicht zu Übergewicht

Der Stimmungswechsel zeigt sich in den Positionsdaten. Die jüngste Umfrage von Bank of America Corp zeigt, dass netto 2 % der Fondsmanager jetzt ein Übergewicht an europäischen Aktien haben, verglichen mit 15 % Untergewicht im Juni. Eine Analyse von Citigroup Inc ergab, dass Europa die einzige große Region war, die in der letzten Juliwoche eine spürbare Verbesserung der Risikobereitschaft verzeichnete.

Auch die Breite verbessert sich. Etwa 75 % der Stoxx 600‑Komponenten handeln über ihrem 200‑Tage‑Durchschnitt, nahe dem oberen Ende der Spanne der letzten zehn Jahre. Der Index hat in diesem Jahr um 11 % zugelegt.

Geopolitische Entspannung und KI‑Einführung treiben Gewinne an

Anzeichen für nachlassende Spannungen zwischen Washington und Teheran haben die Stimmung gehoben, während die Ölpreise vom Juli‑Höchststand gefallen sind, was die Inflationssorgen mildert. Beata Manthey, Leiterin der europäischen Aktienstrategie bei Citigroup, sagte: „Die Anlegerstimmung wurde durch geopolitische Faktoren gebremst, aber sobald sich das klärt, wird die Nachfrage nach regionalen Aktien steigen."

Halbleiterführer steigen stark

Europäische, im Halbleiterbereich tätige Unternehmen gehören zu den größten Treibern der Rallye. ASML Holding NV und Infineon Technologies AG haben im Jahr 2026 jeweils um mehr als 60 % zugelegt. Investoren suchen nun nach Sektoren, die von KI‑Ausgaben profitieren können, sowie nach Unternehmen, die durch die Einführung von KI‑Plattformen höhere Gewinnmargen erzielen werden.

Ein von Bank of America zusammengestellter Korb europäischer KI‑Adopter, bestehend aus dem Industriekonzern ABB Ltd, dem Kreditinstitut Standard Chartered Plc und dem Energieversorger E.On SE, hat in diesem Jahr um 14 % zugelegt und damit die 3 %ige Aufwärtsentwicklung der US‑Hyperscaler übertroffen.

Banken und Industrie bieten Diversifikation

Die wirtschaftsorientierten Sektoren Europas, darunter Banken und Industrie, erweisen sich als Zufluchtsort für Investoren, die während der starken Schwankungen im KI‑Handel nach Alternativen zur Technologie suchen. Der Stoxx 600 Banks‑Index gehört in diesem Jahr zu den größten Gewinnern mit einem Plus von 22 %.

„Selbst wenn das KI‑Momentum erneut anzieht, sind Investoren sich der anhaltenden Volatilität im Sektor bewusst, was bedeutet, dass Technologie jetzt ein ergänzender statt ein widersprüchlicher Trade ist. Investoren werden weiterhin Technologie halten, aber auch durch zyklische Sektoren diversifizieren, was den europäischen Aktien zugutekommt."

Bewertungslücke schließt, aber Skepsis bleibt

Der Stoxx 600 wird derzeit mit dem 15‑fachen der erwarteten Gewinne bewertet, dem kleinsten Abschlag gegenüber dem S&P 500 seit vier Jahren. Dennoch bleiben einige Marktteilnehmer skeptisch gegenüber dem langfristigen Wachstumspotenzial Europas im Vergleich zu den USA.

Ariane Hayate, Fondsmanagerin bei Edmond de Rothschild Asset Management, warnte, dass mögliche Zinserhöhungen der Federal Reserve den Kurs europäischer Aktien stören könnten, fügte jedoch hinzu, dass „die Richtung des Trends insgesamt positiv bleibt."

Für Daniel Murray, stellvertretender Chief Investment Officer bei EFG Asset Management, war die Anleger‑Skepsis angesichts der Aussichten auf starkes makroökonomisches Wachstum und solide Gewinne zu groß. „Man startet aus einer Situation mit negativer Positionierung, aber die Stimmung verbessert sich. Das ist eine recht schöne Kombination", sagte er.