Florian Diegruber und sein Mitgründer August DuMont Schütte kündigten an, dass Atira, das in München ansässige Unternehmen für künstliche Intelligenz, $17.5 million aufgebracht hat, um die Papierarbeit zu automatisieren, die industrielle Geschäftsabschlüsse verlangsamt.
Details zur Finanzierungsrunde
Das Unternehmen erklärte, dass die Finanzierung aus einer Seed-Runde von $15 million besteht, die von Accel angeführt wird, ergänzt durch eine Pre-Seed-Tranche von $2.5 million. Weitere Beteiligte sind UVC Partners, Fortino, BOOOM sowie Einzelinvestoren wie Marc Bitzer, Vorsitzender und CEO von Whirlpool, und Bastian Nominacher von Celonis. Atira lehnte es ab, seine Bewertung nach der Geldaufnahme offenzulegen.
Warum industrielles Sales Engineering wichtig ist
Atira schätzt, dass die Sales-Engineering-Funktion, die eine Kundenanfrage in ein technisch machbares, preislich kalkuliertes Angebot umwandelt, weltweit mehr als $128 billion an jährlichen Personalkosten verursacht. Diegruber argumentiert, dass Fabriken zwar Automatisierung übernommen haben, die "front-door"-Arbeit der Angebotserstellung jedoch weitgehend manuell bleibt und oft Monate in Anspruch nimmt.
„Sales engineering is one of the largest workflows in manufacturing that software has never truly automated", said Florian Diegruber.
Dieser Engpass verzögert nicht nur den Umsatz, sondern bindet auch Ingenieure und kaufmännisches Personal, das sich stattdessen auf die Produktentwicklung konzentrieren könnte.
Wie Atiras KI funktioniert
Die Plattform lässt sich in das bestehende CRM-, ERP- und configure-price-quote-System eines Kunden integrieren. KI-Agenten lesen eingehende Anfragen, heben zentrale Anforderungen hervor, kennzeichnen Spezifikationen, die der Lieferant nicht erfüllen kann, und erstellen anschließend die technische Dokumentation, Konfigurationsvorschläge und Preisoptionen, die ein Angebot bilden.
Menschliche Experten bleiben eingebunden: Die Software benachrichtigt sie über Microsoft Teams, wenn eine Frage nicht allein aus den Dokumenten beantwortet werden kann, und jede KI-generierte Antwort wird mit ihrer Quelle angezeigt, damit sie vom Menschen verifiziert werden kann.
Frühe Kunden und Ergebnisse
Seit dem kommerziellen Start im November 2025 hat Atira rund 15 Kunden gewonnen, die das System inzwischen vollständig im Einsatz haben. Fünf dieser Kunden haben jeweils mehr als 100 Nutzer.
Zu den Anwendern gehören ABB E-mobility, der Elektromobilitäts-Zweig der europäischen Ingenieurgruppe ABB, sowie Chiron Group, ein deutscher Hersteller von Industrie-Teilen. Chiron berichtet von einer 80 percent Reduzierung der Zeit, die für die Bearbeitung eingehender Angebotsanfragen benötigt wird. Robel, ein Hersteller von Bahnausrüstung, gibt an, dass die Software pro Angebot etwa 95 hours an Vertriebs- und Ingenieuraufwand einspart.
Ausblick
Atira plant, das neue Kapital vor allem in die Technik und die ersten nicht-gründerseitigen Vertriebsmitarbeiter zu investieren. Das Team ist von vier Mitarbeitenden zu Jahresbeginn auf etwa 15 gewachsen, weitere neun stehen kurz bevor. Ein Pilotprojekt in den Vereinigten Staaten läuft bereits und signalisiert die Ambition des Start-ups, über Europa hinaus zu expandieren.
Branchenanalysten stellen fest, dass europäische Hersteller traditionell langsamer als ihre amerikanischen Pendants bei der Einführung von Startup-Lösungen sind. Diegruber glaubt, dass sich das ändert, da Führungskräfte zunehmend bereit sind, KI-gestützte Werkzeuge zu testen, die eine schnelle Implementierung und eine kurzfristige Kündigungsoption versprechen.
„AI changes that equation because it can understand that context and orchestrate work across the entire process", said Harry Nelis, partner at Accel.
Mit dem Fokus auf die Erfassung impliziten Wissens und die Bereitstellung eines Plug-and-Play-Modells will Atira einen neuen Standard dafür setzen, wie Industrieunternehmen Angebote erstellen, und damit möglicherweise die Geschwindigkeit und Effizienz von Vertriebszyklen in der Fertigung neu gestalten.

