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Guillaume Lucci: Philippinen müssen alle Energieformen einsetzen, um Versorgung zu sichern

Prime Infra-Chefgeschäftsführer Guillaume Lucci argumentiert, dass die Philippinen nicht auf einen reinen Übergang zu erneuerbaren Energien warten können und einen All-of-the-Above-Energie-Mix benötigen, um Zuverlässigkeit, Erschwinglichkeit und Dekarbonisierung nach einem schweren Öllieferungsschock wiederherzustellen.

Guillaume Lucci spricht im Hauptsitz von Prime Infra in Manila

Guillaume Lucci, Chief Executive der philippinischen Infrastrukturgruppe Prime Infra, sagte gegenüber Reportern, dass die Energie-Notlage des Landes einen pragmatischen Mix von Energiequellen erfordere und nicht ein einseitiger Fokus auf erneuerbare Energien.

Energie-Strategie mit allen Optionen

Als der Konflikt zwischen den USA und dem Iran im Februar die Straße von Hormus blockierte, erklärten die Philippinen, die 98 % ihres Öls aus dem Golf importieren, am 24. März einen landesweiten Energie-Notstand. Präsident Ferdinand Marcos Jr. erklärte, dass der Ausnahmezustand ein Jahr dauern werde. In diesem Zusammenhang sagte Lucci: „Was wir brauchen, ist mehr Energie jeglicher Art, nicht nur mehr erneuerbare Energie." Er fügte hinzu, dass Zuverlässigkeit, Erschwinglichkeit und Dekarbonisierung nicht nacheinander, sondern gleichzeitig verfolgt werden müssen.

Diversifizierte Anlagen als Testfall

Das Portfolio von Prime Infra umfasst das Offshore-Gasfeld Malampaya, den Wawa-Wasserkraftstausee und ein noch junges Waste-to-Energy-Geschäft. Der Mix soll zeigen, dass ein diversifiziertes Asset-Set die Versorgungssicherheit für eine anfällige Schwellenwirtschaft gewährleisten kann. Lucci wies darauf hin, dass der Wawa-Staudamm, der zwischen 2021 und 2025 zu Kosten von 26,5 Milliarden philippinischen Pesos (etwa 500 Millionen US-Dollar) gebaut wurde, heute sauberes Wasser für Metro Manila liefert und Pump-Speicherkapazität für Strom bereitstellt.

Herausforderungen beim Bauen auf den Philippinen

Lucci nannte drei Hürden: langwierige bürokratische Verfahren, die Notwendigkeit, indigene Landrechte zu verhandeln, und die Anfälligkeit des Landes für Naturkatastrophen. Er erklärte, dass die Auslegung für Klimaextreme die Kosten erhöht, aber zugleich Infrastruktur schafft, die zukünftigen Schocks standhalten kann. Der Wawa-Staudamm beispielsweise fing mehr als 99 % des Niederschlags während des Taifuns Uwan auf und schützte die Gemeinden flussabwärts.

Ambitionen im Bereich Waste-to-Energy

Im Jahr 2022 gründete Prime Infra die Tochtergesellschaft Prime Integrated Waste Solutions, die kommunale Abfälle sortiert und behandelt. Lucci erklärte, der nächste Schritt sei eine Waste-to-Energy-Pipeline, die Abfall mittels Verbrennung und Dampfturbinen in Strom und Wärme umwandelt. Im Jahr 2023 investierte der Öl- und Gaskonzern BP 10 Millionen US-Dollar in WasteFuel Global, ein von Prime Infra unterstütztes Unternehmen für nachhaltige Kraftstoffe, während die Gruppe zudem WasteFuel Philippines besitzt, das den Bau einer Biorefinery für Biomethanol plant.

„Die Anlagen zur Materialrückgewinnung existieren, aber die Infrastruktur zur Umwandlung von Abfall in Energie muss noch gebaut werden", sagte Lucci. Er betonte, dass Finanzierung und ein passender Vertrag nötig seien, um das Projekt voranzubringen.

Blick über die heimischen Märkte hinaus

Nachdem Prime Infra ein Jahrzehnt damit verbracht hat, seine Basis auf den Philippinen zu festigen, tätigte das Unternehmen im März seine erste Auslandsakquisition und kaufte den größten privat geführten Öl- und Gasproduzenten Kolumbiens, SierraCol Energy. Lucci erklärte, dass dieser Schritt die Bereitschaft des Unternehmens zeige, nach einer soliden heimischen Erfolgsbilanz international zu konkurrieren.

Er deutete auf künftige Expansion nach Afrika hin, erinnerte sich an seine Kindheit in Marokko und wies auf den wachsenden Sektor erneuerbarer Energien sowie den Infrastrukturbedarf des Kontinents hin. „Afrika bietet zahlreiche Chancen", sagte er.

Lucci schloss, dass Prime Infra weiterhin strategische Akquisitionen mit Greenfield-Projekten ausbalancieren wird, wobei das Kernziel, Infrastruktur zu schaffen, die den gesellschaftlichen Bedarf deckt, erhalten bleibt.