Melanie Perkins, CEO und Mitbegründerin von Canva, kündigte an, dass das Design-Software-Unternehmen seine erwartete Umsatzwachstumsrate auf etwa 20 % gesenkt hat, nachdem die Kosten für die Bereitstellung generativer KI-Funktionen deutlich höher ausfielen als geplant.
Warum der Anstieg der KI-Kosten wichtig ist
Das in Australien gegründete Unternehmen wurde dafür gelobt, schnell zu wachsen und dabei profitabel zu bleiben, ein seltenes Ergebnis unter Hochwachstums-Start-ups. Doch die rasche Verbreitung der KI-Werkzeuge zwang das Unternehmen, sich einem grundlegenden Wandel in der Wirtschaftlichkeit von Software zu stellen. Wie Derek Hernandez, Senior Research Analyst bei Pitchbook, erklärte, "KI macht SaaS zu keiner Lösung mehr mit null Grenzkosten, was bisher wirklich das geheime Erfolgsrezept vieler Softwareprodukte war."
"Damit wurde die Nachfrage bestätigt, aber es zeigte uns auch, dass wir die Kosten für die Ausführung einer KI-Aufgabe senken müssen, um einen breiten Rollout zu unterstützen," sagte Perkins in einer E-Mail.
Da die KI-Inference, also die fortlaufenden Kosten für die Verarbeitung jeder Anfrage, nun die Margen belastet, verzeichnen Unternehmen wie Canva und sein börsennotierter Konkurrent Figma ein langsameres Wachstum und engere Profitabilität. Die Free-Cash-Flow-Marge von Figma sank im letzten Quartal von 27 % auf 14 %, was den allgemeinen Branchendruck verdeutlicht.
Was Canva als Nächstes plant
Perkins erklärte, dass das Unternehmen die Kosten pro KI-Aufgabe seit dem Start von Canva AI 2.0 im April bereits um fast 90 % gesenkt habe, die Nutzung jedoch verdreifacht sei, was eine Neubewertung des Geschäftsmodells erforderlich mache. Das Unternehmen baut seine KI-Architektur neu auf, um die Stückkosten zu senken und die Gesamteffizienz zu stärken.
Analysten weisen darauf hin, dass die Verlangsamung eintritt, während Canva einen möglichen Börsengang abwägt. Ein Mitarbeitenden-Aktienverkauf im letzten Jahr bewertete das Unternehmen mit 42 Milliarden $, wobei frühere Spekulationen auf einen Börsengang 2026 hindeuteten. Hernandez vermutet nun, dass das Unternehmen bereits im nächsten Jahr einen IPO anstreben könnte, sodass die Entscheidung, die KI-Erweiterung zu pausieren, ein Schritt zum Schutz der Profitabilität für künftige Investoren sei.
"Die Menschen wollen ein deutlich leistungsfähigeres Produkt und eine Lösung, und mit der heutigen Technologie bedeutet das, dass die Nutzungskosten zu einer wirklich globalen Herausforderung für all diese Unternehmen werden," fügte Hernandez hinzu.
Canvas nächste Schritte werden sich darauf konzentrieren, die KI-Verarbeitungskosten weiter zu senken, seine Enterprise-Workflow-Tools wie Canva Code zu verfeinern und dem Markt zu signalisieren, dass die finanziellen Grundlagen vor einem möglichen Börsengang solide bleiben.

