Hendrik Van Hove, Mitgründer des belgischen KI-Startups Conveo, sagt, die Technologie seines Unternehmens könne die Tiefe traditioneller Fokusgruppen liefern und gleichzeitig ein bislang für Marktforscher unmögliches Ausmaß erreichen.
Was ist passiert?
1998 warnte Steve Jobs, dass Verbraucher oft nicht wissen, was sie wollen, bevor sie ein Produkt sehen. Mehr als zwei Jahrzehnte später versucht Conveo, diese Herausforderung mit künstlicher Intelligenz zu lösen. Das Unternehmen brachte 2024 nach Unterstützung durch den Silicon-Valley-Inkubator Y Combinator einen KI-gestützten Interview-Moderator auf den Markt. Die Plattform kann in Echtzeit Hunderte von Video-Gesprächen analysieren und dabei Körpersprache, Stimmlage sowie wiederkehrende Themen erkennen.
"Wenn Sie tausend Interviews pro Monat führen, können Sie Fragen stellen wie: Was ändert sich? Worüber sprechen die Menschen? Welche Trends entstehen?" sagte Van Hove.
Das Unternehmen sammelte im September eine Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 50 Millionen Dollar, angeführt von Investoren wie DST Global, Balderton Capital, Visionaries, 6 Degrees Capital und Y Combinator, wodurch die Gesamtfinanzierung auf 55,8 Millionen Dollar anstieg.
Warum ist das wichtig?
Traditionelle Marktforschung verbindet quantitative Breite mit qualitativer Tiefe, doch die Skalierung der letzteren erforderte stets menschliche Interviewer. Kritiker argumentieren, dass KI die relationale Nuance eines Live-Interviews nicht nachahmen könne. Simon Shaw, Direktor für Verhaltenswissenschaften bei Trinity McQueen, weist darauf hin, dass KI „Informationen extrahiert, anstatt einen relationalen Austausch zu führen". Van Hove betont jedoch, dass KI menschliche Vorurteile eliminieren, ehrliches Feedback fördern und sprachübergreifend ohne Übersetzungsprobleme arbeiten kann, was sie für multinationale Studien attraktiv macht, etwa für europäische Unternehmen, die japanische Verbraucher erforschen.
Wie geht es weiter?
Van Hove ist von Brüssel nach Manhattan gezogen, um Zugang zu US-Kapital, Talenten und Kundennetzwerken zu erhalten. Er rechnet damit, dass Conveo seine Kundenbasis sowohl in Europa als auch in den USA ausbauen wird, indem der KI-Moderator für größere, grenzüberschreitende Projekte genutzt wird. Das Team, inzwischen 80 Personen stark mit Niederlassungen in New York, San Francisco und London, will über die Anfangsphase hinaus wachsen und erkennt an, dass das Unternehmen erst etwa ein Prozent seiner geplanten Reise erreicht hat.
Obwohl die Technologie nicht dazu gedacht ist, menschliche Forscher vollständig zu ersetzen, glaubt Van Hove, dass die Kombination aus KI-Geschwindigkeit und menschlicher Erkenntnis die Art und Weise, wie Unternehmen Verbraucher-Feedback sammeln und nutzen, grundlegend verändern wird.

