Japan entwickelt sich rasch zu einem lebendigen Labor für Klimaanpassungsmaßnahmen, während rekordverdächtige Hitze das Land in diesem Sommer überrollt.
Was Japan unternimmt
Nach einem historischen Platzregen in der Präfektur Chiba, der Reisende strandete, Stromausfälle verursachte und mindestens acht Menschen das Leben kostete, hat die japanische Regierung die Vorschriften zur Verhinderung von Hitzeschlag verschärft. Arbeitgeber müssen nun Vorfälle melden, Kühlmöglichkeiten bereitstellen und medizinische Notfallpläne vorhalten.
Große Unternehmen handeln zügig. Obayashi Corp verlegte die Bauarbeiter von der üblichen Schicht von 8 a.m., 5 p.m. auf einen Arbeitsbeginn um 1 p.m. an Standorten, die extremer Hitze ausgesetzt sind. Seibu Railway richtete klimatisierte Pausenbereiche mit Kühlschränken für das Personal ein, während andere Firmen Kühlkleidung, Salztabletten, Ventilatoren und Hitze-Messgeräte verteilen.
Roboter spielen ebenfalls eine Rolle. In der Landwirtschaft ergänzen Roboter die schrumpfende Zahl von Landwirten und schaffen eine Arbeitskraft, die nicht hitzeempfindlich ist.
Warum es für Europa wichtig ist
Europäische Haushalte besitzen deutlich seltener Klimaanlagen, nur etwa eins von fünf im Vergleich zu fast jedem japanischen Haushalt, ein Unterschied, der in einem aktuellen Bericht von Swiss Re hervorgehoben wird. Der Bericht warnt, dass der Kontinent schlecht auf die Intensität der gegenwärtigen Hitzewellen vorbereitet sei.
Wirtschaftsanalysten von Allianz schätzen, dass Länder wie Frankreich, Italien und Spanien bis 2030 kumulative, hitzebedingte BIP-Verluste von bis zu sieben Prozent erleiden könnten, wenn keine Schutzmaßnahmen ergriffen werden.
Was als Nächstes passieren könnte
Europäische Unternehmen beobachten Japans Vorgehen genau. Die Anpassung von Arbeitszeiten, die Bereitstellung von Kühlgeräten und die Überarbeitung von Gesundheits- und Sicherheitsprotokollen könnten mit steigenden Sommertemperaturen zum Standard in der gesamten EU werden.
Politiker könnten ebenfalls strengere Regelungen nach dem Vorbild Japans in Erwägung ziehen, die Arbeitgeber verpflichten, hitzebedingte Vorfälle zu dokumentieren und Präventionsmaßnahmen umzusetzen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob europäische Unternehmen diese Strategien übernehmen, bevor hitzebedingte Produktivitätsverluste unvermeidlich werden.

