KI hat laut den neuesten PitchBook-Daten im ersten Halbjahr 2026 den Löwenanteil des US-Venture-Kapitals erobert. Investoren haben 87,5 % aller Venture-Gelder in KI-fokussierte Unternehmen investiert, während der Rest auf eine Vielzahl anderer Start-ups verteilt wurde.
Warum KI vorauszieht
PitchBook berichtet, dass die mittlere Bewertungssteigerung bei Nicht-KI-Unternehmen 1,6-fach lag, verglichen mit 2,2-fach bei KI-Firmen. Die Kluft vergrößert sich in späteren Phasen deutlich: Ab Serie D erzielten KI-Unternehmen eine mittlere Steigerung von 6,6-fach.
„Der Anstieg ab Serie D+ ist ein klarer Beweis dafür, wie stark KI die Venture-Bewertungen vorantreibt", sagte Emily Zheng, Senior Research Analyst bei PitchBook. „Die mittlere Geschwindigkeit der Wertschöpfung in dieser Phase sprang von $108.9 million in 2025 auf über $1 billion in 2026, fast das Zehnfache. Spitzen-KI-Unternehmen wie Anthropic treiben dieses Wachstum voran, da ihre Bewertung in nur acht Monaten um das 5.3-fache gestiegen ist. Venture-Renditen folgen bereits einer Potenzgesetz-Verteilung, und KI hat die Messlatte für außergewöhnliche Bewertungen höher gelegt."
Liquidität bleibt knapp
Trotz des Geldsturms in KI-Unternehmen sind Ausstiege begrenzt. Nur eine Handvoll Firmen, etwa SpaceX und Cerebras, haben gezeigt, dass ein Börsengang lohnenswert sein kann, sodass viele Start-ups weiterhin auf private Märkte angewiesen sind.
Akquisitionen zeigen gemischte Ergebnisse
Die Akquisitionsaktivität erreichte 2026 ein Jahrzehnt-Hoch, wobei das gesamte Deal-Volumen $375.4 billion erreichte und die Bewertungsmultiplikatoren von 1.2-fach im Vorjahr auf 1.9-fach stiegen. Die Ergebnisse variieren jedoch: ServiceNow's Kauf von Armis wurde mit $7.8 billion bewertet, ein Aufpreis gegenüber der vorherigen Bewertung des Cyber-Security-Unternehmens von $6.1 billion, während Capital One's $5.2 billion schwere Übernahme von Brex einen deutlichen Abschlag gegenüber dem Höchstwert des Fintech-Einhorns von $12.3 billion darstellte.
Der Sekundärmarkt spiegelt die Kluft wider
Der Sekundärhandel auf Plattformen wie Forge zeigt einen deutlichen Kontrast. Start-ups, die 2021 oder 2022 Kapital aufgenommen haben, werden mit mittleren Abschlägen von 54 % bis 59 % gehandelt, während jene, die in diesem oder im letzten Jahr finanziert wurden, Abschläge von null bis 5 % verzeichnen.
„Die Gewinner sind größer denn je und überstrahlen den Rest des Venture-Marktes", fügte Zheng hinzu. „Unternehmen, die derzeit nicht zu günstigen Konditionen Kapital aufnehmen können, tun dies in der Regel überhaupt nicht."
Ausblick
Die Daten deuten darauf hin, dass KI das Venture-Funding weiterhin dominieren wird und die Messlatte für Bewertungserwartungen im gesamten Sektor höher legt. Nicht-KI-Start-ups könnten langfristige Finanzierungsengpässe erleben, sofern sie keine klare Differenzierung nachweisen oder Nischenmärkte erschließen. Beobachter erwarten, dass das IPO-Fenster eng bleibt, während strategische Akquisitionen einen alternativen Ausstieg für wachstumsstarke Unternehmen bieten könnten.
Für Investoren und Gründer gleichermaßen wird die Herausforderung darin bestehen, sich in einem Markt zurechtzufinden, in dem KI den Maßstab setzt und die Liquidität immer selektiver wird.

