Lila Ibrahim wuchs in Indiana auf, wo sie als 14-jährige noch Maisstängel entstielte und kaum einen Dollar pro Stunde verdiente. Heute ist sie Leiterin für KI-Bereitschaft bei Google DeepMind und hat die Aufgabe, die Welt auf die nächste Welle künstlicher Intelligenz vorzubereiten.
Von den Maisfeldern zum Purdue-Labor
Als Tochter libanesischer und palästinensischer Einwanderer half Ibrahim ihrer Familie, während ihre Mutter im Ausland arbeitete und ihr Vater frühe Herzschrittmacher entwickelte. Nach einem Sommer harter Arbeit im Mittleren Westen zog sie zur Purdue University, wo sie noch in der Highschool ein Forschungsteam unterstützte, das die DNA der Fruchtfliege untersuchte.
Zwei Jahrzehnte bei Intel und ein Umzug nach London
Ibrahim verbrachte zwanzig Jahre bei Intel und hatte Positionen in Santa Clara, Tokio, Hongkong und Shanghai. Als sie 2010 das Unternehmen verließ, war sie Chief of Staff für eine Belegschaft von 85 000 Mitarbeitenden und Mutter von Zwillingen. 2018 zog sie mit ihrer Familie vom Silicon Valley nach London, um DeepMinds erste Chief Operating Officer zu werden, obwohl sie keine formale KI-Ausbildung hatte.
Ich wuchs in wirklich bescheidenen Verhältnissen auf.
Sie sagte gegenüber EuroHerald, dass die Ausdauer ihrer Eltern ihre Sichtweise prägte und ihr einen Arbeitsethos vermittelte, der sie durch jede berufliche Veränderung geleitet hat.
Eine neue Rolle im Zuge von DeepMinds Umbruch
Anfang dieses Jahres wurde Ibrahim zur Leiterin für KI-Bereitschaft befördert, einer neu geschaffenen Position, die Organisationen und Gesellschaften dabei unterstützen soll, sich an die rasanten Fortschritte der KI anzupassen. Ihre Ernennung erfolgt, während DeepMinds Mitgründer und CEO Demis Hassabis nach verzögerten Modellveröffentlichungen, hochkarätigen Abgängen und Berichten über niedrige Moral in eine beratende Rolle zurückgetreten ist.
Indem sie das Ruder behält, ist Ibrahim nun dafür verantwortlich, DeepMinds Forschungserfolge in praktische und verantwortungsvolle Anwendungen in ganz Europa und darüber hinaus zu überführen.
Was die Zukunft bringt
Während Regierungen in der gesamten EU Vorschriften zu KI-Sicherheit und -Transparenz ausarbeiten, wird Ibrahims Aufgabe einen engen Dialog mit politischen Entscheidungsträgern, Industriepartnern und zivilgesellschaftlichen Gruppen erfordern. Ihre Außenperspektive, geformt in Maisfeldern und multinationalen Technologieunternehmen, befähigt sie, technische Ambitionen mit gesellschaftlichen Bedenken zu verbinden.
Während DeepMind seine Modelle weiter ausbaut, sagt Ibrahim, sie werde weiterhin "nach Möglichkeiten suchen, die andere nicht sehen", eine Einstellung, die den Beitrag des Labors zur europäischen KI-Zukunft prägen könnte.

