Pope Francis hat die katholische Kirche schon lange aufgefordert, den Klimawandel als moralische Frage zu betrachten. Aufbauend auf dieser Botschaft investiert der Vatikan nun etwa 100 Millionen Euro in eine Agrivoltaik-Anlage, die den Mikrostaat innerhalb von zwei Jahren mit sauberer Energie versorgen soll.
Was der Plan beinhaltet
Der Vatikanstaat erstreckt sich nur über 44 Hektar (109 Acres), etwa ein Achtel der Größe des Central Parks. Da die neue Solarfarm nicht innerhalb der Stadtgrenzen Platz finden würde, wird sie auf dem 1.050- bis 1.100-Acres großen Anwesen Santa Maria di Galeria errichtet, das der Heilige Stuhl außerhalb von Rom besitzt. Auf dem Gelände sollen Photovoltaik-Paneele und landwirtschaftliche Kulturen kombiniert werden, ein Modell, das als Agrivoltaik bekannt ist, und es wird erwartet, dass es zwischen 80 und 90 Megawatt Strom erzeugt.
Warum die Investition wichtig ist
Die bestehende Solaranlage des Vatikans, 2.394 Paneele auf dem Dach des Paul-VI-Audienzhalls, erzeugt etwa 300 Megawattstunden pro Jahr. Die neue Anlage wird daher um ein Vielfaches größer sein und dem Staat helfen, sein UN-Klimaverpflichtungsziel von 2023 zu erfüllen, die Emissionen bis 2030 um 20 % zu senken und bis 2050 Netto-Null zu erreichen.
Über die eigenen Ziele des Vatikans hinaus verdeutlicht das Projekt den deutlichen Gegensatz zur rasanten Zunahme des Strombedarfs von Rechenzentren weltweit. Während ein einzelnes, auf KI ausgerichtetes Rechenzentrum bis zu 5 Gigawatt verbrauchen kann, wird die Vatikan-Farm nur einen Bruchteil davon erzeugen und damit die bescheidene Größe des Energiebedarfs des Mikrostaat betonen.
Wie es weitergeht
Nachdem Pope Francis den Plan in einem im Juni 2024 veröffentlichten Schreiben mit dem Titel "Fratello Sole" formalisiert hatte, besuchte der neue Papst des Vatikans, Pope Leo, die Anlage im Juni 2025 und bezeichnete sie als "a wonderful opportunity". Italien genehmigte das Projekt im Juli 2025, und der Vatikan unterzeichnete im Juni 2026 eine Joint-Venture-Vereinbarung mit dem italienischen Versorgungsunternehmen ACEA zum Bau der Anlage. Quellen zufolge soll die Bauzeit 18 bis 24 Monate betragen.
"a wonderful opportunity"
Wenn die Farm in Betrieb geht, wird sie nicht nur die 800 Einwohner des Vatikans und die tausenden laienhaften Arbeiter, die täglich pendeln, mit Strom versorgen, sondern auch ein symbolisches Beispiel für andere Kleinstaaten und religiöse Organisationen darstellen, die moralische Führung mit konkreter Klimaschutz-Umsetzung verbinden wollen.
Weiterer Kontext
Der Schritt des Vatikans folgt einer Reihe hochkarätiger Klimaaussagen von Pope Francis, insbesondere der Enzyklika Laudato Si' aus dem Jahr 2015, die reiche Nationen zu einer größeren Verantwortung für Emissionen aufrief. Indem der Heilige Stuhl eine konkrete finanzielle Summe an das Projekt bindet, verwandelt er moralische Fürsprache in messbare Investitionen.
Während die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump sich aus jüngsten UN-Klimaverhandlungen zurückgezogen und mehrere Programme für saubere Energie zurückgefahren haben, zeigt die Initiative des Vatikans einen gegensätzlichen Ansatz, bei dem religiöse Autorität genutzt wird, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen.

