Phoebe Gates schrieb sich in einen verborgenen Winterquartals-Kurs an der Stanford University ein, der den Studierenden beibrachte, Machtstrukturen zu manipulieren. Nach Abschluss des Kurses gründete sie gemeinsam den KI-gestützten Mode-Shopping-Assistenten Phia. Das Startup wird nun beschuldigt, illegale Cookie-Stuffing-Methoden eingesetzt zu haben, die die Gründer einer strafrechtlichen Haftung aussetzen könnten.
Geheimer Stanford-Kurs
Der zehnwöchige, nicht offiziell gelistete Kurs trug den Titel „So You Think You Can Rule the World?" und erforderte eine Empfehlung eines bereits eingeschriebenen Studenten. Er war im offiziellen Anmeldesystem nicht aufgeführt und nahm pro Quartal nur zwölf Teilnehmende auf. Der Dozent, Justin Lewis-Weber, ein Stanford-Absolvent aus dem Jahr 2020, gestaltete das Curriculum rund um Gefangenendilemmata, multipolare Fallen und Lektüren von Peter Thiel und Paul Graham.
Laut einem ehemaligen Studenten, der anonym bleiben wollte, lehrte der Kurs die Teilnehmenden, wie man „jede Art von Macht- oder Bürokratie-Struktur hacken und das bekommen kann, was man in einem System von Menschen will". Das Programm wurde als Geheimgesellschaft für angehende Tech-Eliten beschrieben.
Aufbau von Phia
Mit dem im Kurs aufgebauten Netzwerk rekrutierte Gates Mitstudierende für ihr Unternehmen. Sie und ihre Mitbewohnerin Sophia Kianni gründeten Phia im April 2025 aus einem Stanford-Studentenzimmer. Die App versprach, das Mode-Shopping zu automatisieren, indem sie Preise vergleicht und Käufe sofort abschließt.
"We wanted to create something that could do all of our shopping for us," Kianni said.
Phia sammelte später im selben Jahr 8 Millionen Dollar an Seed-Finanzierung, wobei Investoren wie Kris Jenner, Hailey Bieber, Sheryl Sandberg und Sara Blakely beteiligt waren. Eine Series-A-Runde über 35 Millionen Dollar im Januar 2026 brachte die Unternehmensbewertung auf etwa 185 Millionen Dollar.
Vorwürfe des Cookie-Stuffings
Eine Untersuchung von Bloomberg ergab, dass mehr als die Hälfte des Umsatzes von Phia im Juni aus Cookie-Stuffing stammte, einer illegalen Praxis, bei der Tracking-Codes ohne Zustimmung auf den Geräten der Nutzer*innen platziert werden. Die Methode ermöglicht es einem Unternehmen, Affiliate-Provisionen für Verkäufe zu beanspruchen, die es nicht vermittelt hat, was gegen die Richtlinien für Google-Chrome-Erweiterungen verstößt und schwere Strafen nach sich ziehen kann.
Ein Sprecher von Phia sagte gegenüber EuroHerald, dass alle Funktionen, die zu Fehlzuordnungen führten, am 7. Juli entfernt wurden und dass das Unternehmen alle Transaktionen prüfe und einen Head of Compliance einstelle.
Interne Slack-Nachrichten, die Bloomberg erhalten hat, deuten darauf hin, dass die Gründer bereits im Dezember von der Praxis wussten. In einer Nachricht vom 18. Dezember schrieb Gates: "Can u confirm auto pop for cookie drop is live on ALL sites w a coupon to confirm we are monetising on all gross merchandise volume". Kianni antwortete: "Whatever we can do to keep these cookies dropping will be amazing, thank you".
Mögliche Konsequenzen
Wenn Ermittler feststellen, dass Gates und Kianni das System wissentlich mindestens sieben Monate erlaubt haben, könnten Staatsanwälte Strafanzeigen erheben. Neben möglichen Haftstrafen dürfte der Skandal Phias Ruf schädigen, Investoren abschrecken und eine regulatorische Prüfung im Rahmen des EU-Digital-Service-Gesetzes auslösen.
Der Fall verdeutlicht die Risiken von schnell wachsenden Tech-Unternehmen, die auf undurchsichtige Rekrutierungsnetzwerke und aggressive Monetarisierungsstrategien setzen. Interessengruppen werden beobachten, wie Behörden in den USA und Europa auf die Vorwürfe reagieren und ob Phia das Vertrauen von Verbraucher*innen und Partnern wiedergewinnen kann.

