Das verkehrsreiche Interview, das eine Karriere veränderte
Als Josh Bayliss 2005 im Londoner Anwesen von Richard Branson ankam, erwartete er ein routinemäßiges Vorstellungsgespräch für die Position des General Counsel bei Virgin. Branson stellte jedoch fest, dass er einen weiteren Termin in der Stadt hatte und bereits spät dran war. Anstatt abzusagen, lud er Bayliss ein, mit ihm im Auto zu fahren.
Die Fahrt, die Bayliss später als "45-minütige Fahrt" bezeichnete, entwickelte sich zu einer zweieinhalbstündigen Tortur, weil das Duo im Verkehr stecken blieb. Bayliss nutzte die unerwartete Verzögerung, um Bransons Denkweise zu hinterfragen.
"Wir steckten im Stau, und das war großartig für mich. Ich bekam die Gelegenheit, Richard wirklich zu befragen und viel mehr darüber zu erfahren, was ihn antreibt," sagte Bayliss.
Das Gespräch endete damit, dass Bayliss die Position des General Counsel erhielt, ein Sprungbrett, das ihn bis 2011 zum Geschäftsführer der Virgin Group aufsteigen ließ.
Vom Anwalt zum Geschäftsführer
Geboren in Auckland, Neuseeland, träumte Bayliss ursprünglich davon, Wissenschaftler zu werden, inspiriert von Comic-Helden. Nach dem Studium von Geschichte und spanischer Literatur an der University of Auckland wandte er sich dem Recht zu, arbeitete als Richterassistent in Neuseeland, bevor er nach Barcelona und später nach London zog.
Sein juristischer Hintergrund verschaffte ihm Einblicke in Entscheidungen mit hohem Einsatz, doch bald sehnte sich Bayliss nach einer direkteren Rolle bei der Gestaltung von Ergebnissen. Das Interview mit Branson bot diese Möglichkeit und erlaubte ihm, juristische Fachkenntnisse mit Führungsambitionen zu verbinden.
Warum die Geschichte für Virgin und darüber hinaus wichtig ist
Die Episode veranschaulicht die unternehmerische Kultur, die Branson bei Virgin gefördert hat: Neugier, Experimentierfreude und eine persönliche Note bei der Rekrutierung. Bayliss schreibt seine eigene Neugier und Lernbereitschaft derselben Energie zu, die er bei Branson beobachtet hat.
"Richard strahlt eine Energie aus und hat den Wunsch, Dinge zu lernen, die er noch nicht kennt, und Dinge auszuprobieren, die er noch nicht versucht hat," sagte Bayliss.
Heute leitet Bayliss zudem Virgin Atlantic und beaufsichtigt Fluggesellschaften, Telekommunikation, eine Fitnessstudio-Kette sowie ein kommerzielles Weltraumtourismus-Projekt. Sein Führungsstil spiegelt dieselbe Offenheit wider, die sein erstes Interview prägte.
Was die Zukunft für Virgin bereithält
Bayliss sagt, die nächste Generation von Mitarbeitenden, insbesondere Gen-Z-Praktikanten, beeindruckt ihn durch ihre moralische Überzeugung und die Bereitschaft, KI als ein "Ermöglichungs-Tool" statt als Ersatz zu nutzen. Er ist überzeugt, dass die Kombination von Technologie und menschlicher Neugier jungen Talenten ein schnelles Vorankommen ermöglicht, ein Prinzip, das das zukünftige Wachstum von Virgin prägen könnte.
Während Virgin weiter in neue Sektoren expandiert, bleibt der Fokus des Unternehmens auf neugiergetriebener Führung, erstmals im Stau demonstriert, ein Leitprinzip für das nächste Kapitel.

