Simon Lin, Vorsitzender von Wistron, sagt, der Aufstieg des Unternehmens sei eine Geschichte von Timing und einer entscheidenden frühen Partnerschaft mit Nvidia. Acht Jahre nachdem das taiwanesische Elektronikunternehmen begonnen hatte, Nvidias Grafikkarten zu montieren, baut es jetzt die riesigen KI‑Server, die die neuesten Prozessoren des Chip‑Herstellers antreiben, und katapultiert Wistron zu $70.2 billion Umsatz im Jahr 2025, mehr als das Doppelte des Vorjahres.
Frühe Partnerschaft mit Nvidia
Wistron wurde 2001 vom Laptop‑Hersteller Acer abgespalten, wobei Lin zum Vorsitzenden und CEO ernannt wurde. Das Unternehmen konzentrierte sich zunächst auf die Montage von PCs mit niedrigen Margen, eine Position, die Lin als den „Mittelteil der lächelnden Kurve" bezeichnet, wo die Gewinne dünn sind. 2007 schwächte die Einführung des iPhone den PC‑Markt und ließ Wistron nach einer neuen Ausrichtung suchen.
„Selbst in dunklen Zeiten muss man sich für jede Veränderung in der Zukunft bereit machen", sagt Lin.
Diese Veränderung trat ein, als Wistron einen Auftrag zur Herstellung von Nvidias Grafikkarten erhielt, ein margenstärkeres Geschäft, das später zur Produktion von KI‑Servern ausgebaut wurde.
KI‑Boom treibt explosives Wachstum
Als OpenAI Ende 2022 ChatGPT veröffentlichte, stieg die Nachfrage nach Nvidias für KI optimierten Prozessoren stark an. Nvidia wandte sich an langjährige Partner wie Wistron, um immer größere Server‑Racks zu bauen, die mehrere Chips beherbergen können. Lin beaufsichtigte den Bau einer 287,000‑square‑foot‑Anlage in Zhubei, Taiwan, die bis 2026 vollständig ausgelastet war. Eine nahegelegene Textilfabrik wurde rasch umgerüstet, um die Kapazität zu erhöhen.
Server machen jetzt 70 % des Umsatzes von Wistron aus. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von $55 billion, und sein Aufstieg auf Platz 198 der diesjährigen Fortune Global 500 entspricht einem Sprung von 298 Plätzen, dem größten Anstieg in der Liste.
US‑Expansion trotz Zolldruck
Im August 2025 kündigte Wistron eine Investition von $761 million in zwei Komplexe in der Nähe von Fort Worth an, die 1.09 million square feet umfassen. Die Maßnahme wurde durch die drohende 32 %‑Zoll auf taiwanesische Importe ausgelöst, doch Lin weist darauf hin, dass die US‑Präsenz auch die Versandkosten für sechs‑Ton‑KI‑Server senkt.
„Auch wenn diese Entscheidung leicht durch Zölle erzwungen war, wurde sie später sinnvoll", erklärt Lin.
Die Einrichtungen in Texas sollen über 800 Arbeitsplätze schaffen, wobei die benötigte Ausrüstung aus Südostasien geliefert werden muss, weil sie nicht vor Ort beschafft werden konnte.
Ausblick für Wistron
Lin, jetzt 72, beschreibt sich selbst als einen „etwas faulen CEO", der es vorzieht, sich auf wenige strategische Prioritäten zu konzentrieren. Er sieht den KI‑Markt als kontinuierlich im Wandel, wobei jedes Jahr neue Server‑Generationen erscheinen, statt alle drei Jahre. „Das sind keine strategischen Entscheidungen, sondern sehr praktische Herausforderungen, Tag und Nacht", sagt er.
Mit Blick in die Zukunft plant Wistron, seine Rolle in der KI‑Lieferkette zu vertiefen, seine globale Präsenz auszubauen und die Partnerschaft mit Nvidia weiter zu nutzen, um der wachsenden Nachfrage nach Hochleistungs‑Computing‑Hardware gerecht zu werden.

