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Stephen Messer: KI muss Unternehmen neu formen, nicht nur schmücken

In einem nachdenklich stimmenden Kolumnen erklärt Stephen Messer, warum das Hinzufügen von KI zu bestehenden Arbeitsabläufen nicht ausreicht und wie Unternehmen durch das Entfernen überholter Schritte und das Neudenken ihrer Strukturen eine echte Transformation erreichen können.

Konzeptuelle Illustration, wie KI eine Unternehmensstruktur neu formt

Stephen Messer, Mitbegründer von Collective[i] und Intelligence.com, argumentiert, dass die meisten Unternehmen künstliche Intelligenz eher als dekorative Schicht denn als Katalysator für die Neudefinition dessen betrachten, was ein Unternehmen ist. Er ist der Ansicht, dass die eigentliche Herausforderung nicht darin besteht, zu fragen, wie KI bestehende Aufgaben beschleunigen kann, sondern welche Aufgaben vollständig entfallen sollten.

Warum viele KI-Projekte scheitern

Unternehmen rühmen sich häufig mit KI-Lizenzen, Pilotprogrammen, Chief-AI-Officers und Präsentationen zur verantwortungsvollen Innovation. Doch die zugrunde liegenden Arbeitsabläufe, Vertriebsmitarbeiter, die Daten in CRM-Systeme eingeben, Manager, die Informationen zwischen Teams hin- und herschieben, und Kunden, die auf Genehmigungsketten warten, bleiben unverändert. Dieses oberflächliche Upgrade, das Messer das \"AI Shuffle\" nennt, erzeugt die Illusion von Fortschritt, liefert jedoch keinen Wettbewerbsvorteil.

Von der Hinzufügung zur Subtraktion

Die konventionelle Reaktion auf neue Technologie besteht darin, weitere Werkzeuge, Dashboards und Governance-Ebenen hinzuzufügen. Messer schlägt das Gegenteil vor: Zuerst jede bestehende Anforderung hinterfragen, unnötige Schritte entfernen und erst dann den gestrafften Prozess automatisieren. Die Automatisierung eines fehlerhaften Prozesses macht ihn lediglich schneller und erschwert das Erkennen von Ineffizienzen.

Praktisches Beispiel: Vertriebsprognosen

Traditionelle Vertriebsprognosen beruhen darauf, dass Verkäufer Prognosen in ein CRM eingeben, Manager die Daten interpretieren und die Führungsebene in einem ritualisierten Meeting eine endgültige Zahl verhandelt. Die Daten sind häufig verspätet, unvollständig und durch Anreize verzerrt. Ein KI-first-Ansatz würde das Meeting durch ein System ersetzen, das das tatsächliche Kaufverhalten, Marktsignale und Beziehungsdynamiken analysiert und das veraltete Ritual vollständig überflüssig macht.

Auswirkungen auf Organisationsstrukturen

Über die Software hinaus bedroht KI die Schichten, die um die Informationsbeschaffung und Entscheidungsfindung herum aufgebaut sind. Führungskräfte, die Mehrwert schaffen, werden diejenigen sein, die Geschäftsprobleme verstehen, Technologie effektiv einsetzen und nah am Kunden bleiben. Rollen, die hauptsächlich dazu dienen, Reibungen zu erhalten, den Informationsfluss zu kontrollieren oder Altprozesse zu managen, laufen Gefahr, irrelevant zu werden.

Der dauerhafte Wettbewerbsvorteil

Während Modellleistung und Trainingsgröße die Schlagzeilen dominieren, argumentiert Messer, dass nachhaltiger Vorteil aus der Orchestrierungsschicht entsteht, den Systemen, die entscheiden, welches Modell eingesetzt wird, Kontext behalten, an firmeneigene Daten anbinden und aus realen Ergebnissen lernen. Dieses Lernsystem, nicht das Modell selbst, wird den Wert sichern.

Was das für europäische Unternehmen bedeutet

Für Unternehmen in ganz Europa ist die Wahl klar: KI nutzen, um bestehende Hierarchien und Datensilos zu verstärken, oder die Organisation neu aufbauen, um schneller zu handeln, kontinuierlich zu lernen und Kunden direkt zu bedienen. Ersteres wird Schlagzeilen erzeugen; letzteres wird die Kluft zwischen Unternehmen, die KI nur einführen, und jenen, die wirklich transformiert sind, vergrößern. Das Fenster für entschlossenes Handeln ist jetzt offen, wird aber nicht ewig offen bleiben.