Hankes Vorschlag für Venezuela
Steve Hanke, ein Professor für angewandte Ökonomie an der Johns Hopkins University, wurde zum Sonderberater der Venezolanischen Nationalversammlung ernannt. Er sagte Reportern, dass der einzige realistische Weg, die 400% Inflation des Landes zu stoppen, die sofortige Einführung des US-Dollars sei, wobei der Bolivar und die Möglichkeit der Zentralbank, Geld zu drucken, aufgegeben werden müssten.
"Die Eindämmung der Inflation ist der Schlüssel zur Wiederherstellung der Stabilität in Venezuela, und aller andere Fortschritt ergibt sich daraus," erklärte Hanke. "Stabilität ist nicht alles, aber ohne Stabilität, das heißt stabile Preise, hat man nichts. Und es gibt kein besseres Fallbeispiel, das das beweist, als Venezuela."
Der Vorschlag würde Venezuela, laut Hanke, zum ersten lateinamerikanischen Land machen, das seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 vollständig dollarisiert.
Warum die Einführung des Dollars wichtig ist
Der bolivar Venezuelas hat im vergangenen Jahr 78% seines Wertes gegenüber dem US-Dollar verloren, was die meisten Transaktionen im Privatsektor dazu zwingt, in Dollar abgewickelt zu werden. Hanke argumentiert, dass die Formalisierung dieser "spontanen Dollarisation" das Risiko beseitige, dass die staatlich geführte Zentralbank Defizite finanziere, ein Vorgehen, das Preisspiralen anheize.
Er verweist auf seine frühere Arbeit in Montenegro, wo er 1999 half, den jugoslawischen Dinar durch die Deutsche Mark zu ersetzen, und in Ecuador, wo 2000 der Sucre gegen den US-Dollar getauscht wurde. In beiden Fällen fiel die Inflation stark. Ein ähnliches Ergebnis, sagt er, könnte ausländische Investitionen in Venezuelas Ölsektor freisetzen, der nach wie vor das Rückgrat der Wirtschaft bildet.
Venezuela hat zudem etwa 250 Milliarden Dollar Schulden, rund 150% des BIP, eine Belastung, die gemildert werden könnte, wenn höhere Öleinnahmen in Dollar umgewandelt würden, um Tilgungen und Zinszahlungen zu leisten.
Herausforderungen und nächste Schritte
Die Einführung des Dollars würde bedeuten, die Geldpolitik an die Federal Reserve abzugeben und einen Kreditgeber letzter Instanz zu verlieren. Kritiker warnen, dass dies die Fähigkeit der Regierung einschränken könnte, auf zukünftige Schocks zu reagieren.
Hanke schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass die Nationalversammlung den Wechsel mit 50-80% annimmt. Wird er genehmigt, prognostiziert er, dass das Land von negativem Wachstum in diesem Jahr zu positivem Wachstum im nächsten Jahr übergehen könnte, da niedrigere Inflation die Zinsen senken, Kredite anregen und den Immobilienmarkt beleben würde.
Obwohl der Plan ambitioniert ist, zirkuliert der Dollar bereits in vielen Alltagsgeschäften, was darauf hindeutet, dass ein formaler Wechsel politisch machbar sein könnte. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob die venezolanischen Gesetzgeber Hankes Dollarisation-Plan unterstützen werden.

