Keir Mather, der britische Minister für Luftfahrt, kündigte eine Partnerschaft mit Google UK an, um einen zweijährigen Versuch zu starten, bei dem ausgewählte kommerzielle Flüge aufgefordert werden, ihre Flughöhe über dem Nordatlantik zu ändern. Das Experiment, genannt Operation Blue Skies, soll zeigen, dass bescheidene Höhenanpassungen die Bildung von Kondensstreifen, den dünnen Eiskristallwolken, die Wärme speichern und zum Klimawandel beitragen, reduzieren können.
Was der Versuch beinhaltet
Während der Wintermonate der nächsten zwei Jahre werden die Fluglotsen im Shanwick Oceanic Control Area zwischen 20 und 40 Flüge pro Winter anweisen, bis zu 2.000 Fuß (610 Meter) zu steigen oder zu sinken, um Regionen zu meiden, in denen sich Kondensstreifen wahrscheinlich bilden. Der Shanwick-Korridor, ein wichtiges Tor zwischen Europa und Nordamerika, bearbeitet in dem Prüfungszeitraum etwa 10.000 Flüge, und der Versuch rechnet damit, dass einige hundert davon abweichen. Laut Paul Hodgson, Googles technischer Leiter des Projekts, sollte eine Veränderung, die nur ein bis fünf Prozent der Flüge betrifft, ausreichen, um eine statistisch signifikante Reduktion der Kondensstreifenbildung im gesamten Luftraum nachzuweisen.
Warum Kondensstreifen wichtig sind
Wenn Flugzeuge durch kalte, feuchte Luft fliegen, wirken Rußpartikel aus den Triebwerken als Kristallisationskerne für Eiskristalle und erzeugen Kondensstreifen, die sich wie dünne Zirruswolken verhalten. Forschungen der gemeinnützigen Organisation Contrails.org schätzen, dass Kondensstreifen zwischen ein und zwei Prozent der globalen Erwärmung ausmachen, und Modellrechnungen deuten darauf hin, dass der Shanwick-Sektor etwa fünf Prozent dieses Anteils beiträgt, besonders im Winter. Frühere Studien, etwa eine Analyse aus dem Jahr 2020 des Imperial College London, zeigten, dass kleine Änderungen der Flugrouten diese Wirkung verringern könnten, doch bislang wurde kein groß angelegter Feldversuch durchgeführt.
Nächste Schritte und weiterreichende Folgen
Der Versuch wird von der britischen Regierung finanziert, die mehr als die Hälfte des Budgets von £ 5 Millionen übernimmt, und umfasst ein Konsortium, zu dem das Met Office, der britische Flugsicherungsdienstleister NATS, das Imperial College London, die University of Cambridge und Contrails.org gehören. Bestätigen die Ergebnisse einen messbaren Rückgang der Kondensstreifenbildung, könnte die Methodik auf andere stark frequentierte Korridore ausgeweitet werden und einen Leitfaden für koordinierte, luftraumweite Klimaminderung bieten.
Google hat Kondensstreifen als eine der dringendsten, aber lösbaren Klimaherausforderungen für die Luftfahrt bezeichnet. Ein Erfolg des Shanwick-Versuchs könnte Fluggesellschaften und Regulierungsbehörden weltweit dazu bewegen, ähnliche Höhenanpassungsstrategien zu übernehmen, und eine bescheidene betriebliche Feinjustierung in ein praktisches Instrument zur Reduzierung des Klima-Fußabdrucks der Luftfahrt verwandeln.

