Marc Lore hat sich einen Ruf aufgebaut, indem er Zahlen die Geschäftsentscheidungen leiten lässt. In seinem Food-Tech-Unternehmen Wonder erstreckt sich dieser Ansatz nun darauf, zu entscheiden, welche Mitarbeitenden in der Hierarchie aufsteigen, und zwar mithilfe eines Algorithmus für künstliche Intelligenz (KI).
KI-gesteuerter Beförderungsprozess
Laut einem kürzlich geführten Interview im Term Sheet-Podcast bittet Wonder mindestens ein Dutzend Kolleginnen und Kollegen, alle sechs Monate die Leistung, das Verhalten und die Führung einer Mitarbeitenden zu bewerten. Diese Bewertungen werden zusammen mit schriftlichem Feedback in ein KI-Modell eingespeist, das einen Leistungsbericht erstellt.
Kennzahlen und der VAR-Score
Das Unternehmen berechnet zudem eine Kennzahl namens "value above replacement" (VAR), die abschätzt, wie schwer es wäre, die Mitarbeitende durch eine Person auf demselben Niveau zu ersetzen. Lore erklärte, dass die KI die VAR-Zahl mit dem Leistungs-Score kombiniert, um zu bestimmen, ob eine Beförderung gerechtfertigt ist.
Zwischen Ihrem VAR-Score und Ihrem Leistungs-Management-Score berechnet die KI im Grunde, ob Sie befördert werden sollten, sagte Lore.
Das System schlägt zudem vor, wie lange eine Person in einer Rolle bleiben sollte, bevor sie aufsteigt. Menschliche Führungskräfte können die Empfehlung überstimmen, wenn sie ein überzeugendes Argument vorbringen, doch laut Lore werden solche Ausnahmen seltener, je besser das Modell wird.
Folgen für die Fairness
Lore argumentiert, dass die Standardisierung von Beförderungsentscheidungen persönliche Vorurteile reduziert und Diskriminierung gegenüber Frauen und Mitarbeitenden aus Minderheiten eindämmen kann. Durch die Transparenz der Kriterien können die Mitarbeitenden nachvollziehen, wie ihre Bewertungen in den beruflichen Aufstieg übersetzt werden.
Ausbau und zukünftige Pläne
Wonder, 2018 gegründet, betreibt inzwischen 135 Food Halls in zehn Bundesstaaten an der Ostküste und hat mehr als 650 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 9 Milliarden Dollar eingeworben, wodurch die Gesamtkapitalisierung auf etwa 3 Milliarden Dollar steigt. Lore sagte dem Medium, dass das Unternehmen sich auf einen Börsengang Anfang nächsten Jahres vorbereite.
Die Automatisierung erstreckt sich zudem auf die Küchen von Wonder. Ein KI-gesteuertes System zur Schüsselherstellung kann bis zu 500 Schüsseln pro Stunde produzieren, verglichen mit maximal 45 Schüsseln, die ein menschlicher Arbeiter herstellen kann.
Da KI-Werkzeuge immer stärker in das Management von Arbeitsplätzen integriert werden, könnte Wonders Experiment als Fallstudie für europäische Unternehmen dienen, die das Gleichgewicht zwischen Effizienz, Fairness und regulatorischer Aufsicht suchen.

